Begleiten Sie mich in den Kräutergarten. Es ist möglich, Sonderführungen zu organisieren. Dazu sollten sich mindestens 8 Personen
anmelden. Pro Person werden 5 € berechnet.
Hopfen, Brennnessel & Co
Der
Apotheker und wir gehen mit den Frauen Richtung Wald. Nach gut 10 Minuten
Fußweg erreichen wir ein sehr malerisches, nicht begradigtes Bachtal. Jörg
Albrecht Koch hält an einem Weidenbaum, der sich weit über den Bach lehnt.
„Unsere Vorfahren haben schon um die heilsame Wirkung der Weide
gewusst. Sie haben die Rinde zerrieben, und sie zur Schmerzbehandlung
genutzt. Erst viel später fanden Chemiker heraus, dass die Weide
Salizylsäure enthält, was ja später als Aspirin weltweit bekannt wurde.
Sie sehen, meine Damen, die Natur, und nicht der Mensch, hat die Heilkraft
erfunden – wir machen sie uns nur nutzbar. Das hatte früher sehr viel mit
genauer Beobachtung zu tun.“
Wir gehen
weiter den Bach entlang, und Herr Koch entdeckt wilden Hopfen am
Wegesrand. An einem Zaun schlängeln sich mehrere Triebe empor. „Nehmen wir
beispielsweise den Hopfen. Schon vor Jahrhunderten fiel es auf, dass die
Bauern bei der Hopfenernte nach ein bis zwei Stunden schläfrig wurden. Die
Zapfen schienen eine Substanz zu enthalten, die die Bauern müde machte.
Daraufhin haben Frauen die Hopfenzapfen zerrieben und in Säckchen
eingenäht. Alle, die unter Schlafstörungen litten, hatten damit ein
wirkungsvolles Mittel. Sie brauchten nur nachts auf dem Säckchen zu
schlafen.“ Sofort fangen einige der Frauen an, Hopfenzapfen zu
pflücken. Es scheint doch viele zu geben, die Schlafprobleme haben. Der
Hopfen ist da sicher ein besseres Mittel als Schlaftabletten.
Als nächste
Station hat sich Jörg Albrecht Koch für ein Brennnesselfeld entschieden.
Die von Gärtnern so verhasste Pflanze bietet eine Menge an Heilkraft.
„Die Wurzeln“, erklärt Herr Koch, „wurden und werden bei gutartigen
Prostataproblemen eingesetzt. Die Samen helfen bei Rheuma und die Blätter
schmecken im Salat.“ Heike ist tief beeindruckt. „Da wandert man
nichtsahnend an einem Bach entlang und läuft dabei gleichzeitig durch den
Arzneigarten der Natur!“ Herr Koch bietet diese Kräuterwanderung in
regelmäßigen Abständen an. Und viele Frauen und auch Männer kommen gerne
wieder. Es macht auch Sinn, sich bei einer solchen Tour nicht zu viel
vorzunehmen. Erst mit einigen Kräutern beginnen und sich dann vorarbeiten.
Es ist noch kein Heilkundler vom Himmel gefallen und Vorsicht und Wissen
sind besonders bei diesem Bereich unbedingt wichtig. Leider haben wir (mal
wieder) zu wenig Zeit, um all das wirklich verarbeiten zu können. Jörg
Albrecht Koch hat aber bei uns einen tiefen Eindruck hinterlassen. Selbst
die Bennnessel in meinem Garten sehe ich heute mit ganz anderen Augen.
Aus: Landpartie 2 von Ulrich Koglin & Achim
Tacke; Schlütersche GmbH & Co KG, Verlag und
Druckerei
ISBN 3-87706-858-8